„Kannst Du den Feind nicht besiegen, umarme ihn“

Schön, dass du wieder mitliest. Diese Woche habe ich mein erstes Video zu dem Thema KI auf meinem Insta-Account geteilt und ich kann sagen, mich hat es irgendwie mit Freude erfüllt, das zu tun. Wer mich kennt weiß, dass ich medial bislang nicht in Erscheinung treten wollte. Bis auf ein paar wenige Kommentare und natürlich das Teilen meiner Bilder, bin ich weitestgehend “unschuldig” in diesem komischen Internet. Ich merke jedoch, dass ich zu diversen Themen die mich in der Fotografie beschäftigen etwas sagen möchte und nutze diese Art der Mitteilung nun für mich. Dabei kombiniere ich die Inhalte mit anderen, Fotografie-fernen Themen, da sie für mich oft in einem unmittelbaren Zusammenhang stehen. Mal sehen, wo mich diese Reise hinbringt. Ich bin jedenfalls sehr gespannt und freue mich, wenn du sie begleitest!


Aber nun zum Thema, das im Video nur 30 Sekunden Zeit fand. Ich möchte das Gesagte hier noch etwas ergänzen, denn es betrifft doch viele von uns. Oder?

Kennst du das? Du bist in den sozialen Medien unterwegs und konsumierst Inhalte, wie Reels oder Bilder. Plötzlich siehst du ein Bild, was dir gefällt. Du bleibst hängen und denkst dir, wow, was für eine tolle Fotografie. Du identifiziert das Bild als Foto, weil es aussieht wie eins, weil der Account “Fotograf” als Genre zeigt und sogar Making of Videos mit einer Kamera in der Hand eines Fotografen zu sehen sind. Du bleibst weiter hängen, weil du so fasziniert von diesem Bild bist, weil du dir vielleicht sogar vorstellst, wie du solch ein Bild zu Stande bekommen könntest, oder weil du die Kommentare liest. Sie sprechen eine eindeutige Sprache: “Tolles Foto”…“Klasse Aufnahme”…”Tolles Model”
Und dann plötzlich dieses Feedback zu dem Bild: “AI”…”Tolles Bild, aber leider KI”…”Fake”
Du realisierst, dass du dir gerade ein KI-generiertes Bild anschaust und keine Fotografie. Was passiert mit dir? Leider passiert bei mir konsequent das Gleiche. Ich scrolle weiter und ärgere mich über die verbrachte Zeit auf diesem Beitrag, der umgehend an Wert verliert. Er verliert für mich an Wert, weil ich einen fotografischen Wert erkannt habe, den es gar nicht gibt. Das ärgert mich und wenn der Beitrag als “KI” gekennzeichnet wäre, hätte ich ihn wohl nicht (lang) angeschaut.

Was also tun, in dieser neuen Zeit, in der die sozialen Medien ohne KI immer weniger stattfinden. Meckern? Dagegen sein? Accounts löschen? Das kann nicht der Weg sein, dachte ich mir. Im (sehenswerten) Film „Madame Mallory und der Duft von Curry“ von Lasse Hallström (Indien/USA, 2014) formuliert der Protagonist auf dem dramaturgischen Höhepunkt den Satz: „Kannst Du den Feind nicht besiegen, umarme ihn“; er hat erkannt, dass ihm eine weitere Konflikteskalation nicht den Sieg über seine Gegnerin verschaffen wird und allen Beteiligten nur Nachteile bringt. Er beschliesst daher, einen anderen Weg zu gehen, jenen der Deeskalation, der Verständigung. (Quelle)

Was mir in anderen Feldern meines Seins oft ganz gut gelingt, sollte doch hier auch möglich sein? Ja, das ist so. Denn anstatt zu schimpfen, besinne ich mich immer mehr auf das, was schon immer mein größter Antrieb in der Fotografie ist - Den Weg hin zum Bild zu erleben. Jedes einzelne Mal, wenn ich meine Kamera einstecke, rausgehe, etwas sehe und den Auslöser drücke, erfüllt mich das mit Freunde. Nicht unbedingt, weil ich ein tolles Foto habe, sondern weil ich versucht habe, eines zu machen. Allein die Tatsache, dass ich an einem tollen Ort war, oder die, dass ich einen interessanten Menschen fotografieren darf, verschafft mir kleine und große Glücksgefühle. Ein Zustand, den mir eine künstliche Intelligenz nicht herstellen kann, auch wenn sie wahrscheinlich dabei geholfen hat, mich an einen guten Spot zu navigieren, an dem ein Foto gerade entsteht.

Worum es mir nun geht ist, das technologische Voranschreiten nicht zu verteufeln, sondern damit fein zu sein und dennoch für einen klareren sowie regulierteren Umgang zu werben. Und es gibt Ideen in meinem Kopf. So zum Beispiel könnte es, nach dem sich diverse soziale Medien mutmaßlich weigern eine “KI-Kennzeichnung” einzuführen, eine Art Echtheitszertifikat für authentische Inhalte geben. Leica versucht ähnliches mit einer integrierten Content-Credentials-Funktion, die es seit 2023 für einige Kameramodelle gibt. Sicher ist das noch nicht DIE Lösung für ein Problem, das für die meisten keins ist? Beruflich frage ich oft: “Welches Problem” wollen wir eigentlich lösen, um Menschen aus scheinbar sinnlosen und wenig effizienten Problemräumen zu bringen. Vielleicht haben wir gar kein Problem? Ich jedenfalls habe meinen Umgang damit gefunden, auch wenn der Gedanke schwer ist, den ich beim Betrachten von Inhalten immer wieder habe: “Ist das echt?”

Wie geht es dir damit? Lass uns darüber sprechen, denn ich bin sehr an Meinungen zu diesem Thema interessiert! Danke dir für´s lesen - teilen und ich freu mich, dich bald wiederzusehen.

Zurück
Zurück

„Ich wollte nur kurz auf Instagram schauen”

Weiter
Weiter

Neustart