„Ich wollte nur kurz auf Instagram schauen”

Und drei Stunden später wusste ich, wie ein Waschbär in Kanada Geburtstag feiert. Das ist sicher etwas übertrieben formuliert, aber vielleicht kennst du das auch - dieses ambivalente Gefühl zu Social Media? Nach einem Coaching in diesem Bereich, konnte ich etwas mehr Einblick gewinnen und habe deswegen den Umgang damit neu ausgerichtet. Hier bekommst du meine Gedanken dazu, nicht als Fingerzeig, aber vielleicht als Impuls?

Wenn es um mein Social Media Verhalten geht, bin ich nichts besonders. Häufiger ertappe ich mich mit dem Handy in der Hand und dem Gedanken “jetzt leg das Teil mal weg”, nach dem ich mal wieder und quasi ohne festes Ende durch so einige Reels und Beiträge getobt bin. Außerdem teile ich Inhalte und interagiere ein wenig mit meinen Followern. Vor allem zu dem letzten Verhalten hatte ich 2 Fragen: Wieso mache ich das und wenn es mir gefällt, wieso möchte ich es dann weniger tun? Also habe ich mich anschließend gefragt, so wie ich es meine Coachees (So heißen Menschen die ich beruflich coachen darf) auch immer wieder frage: Welches Problem möchte ich eigentlich lösen? Ich näherte mich der Antwort auf diese Frage mit folgender Herleitung an.

Im Grundsatz betrachtet, beschreibt das Wort sozial das gemeinschaftliche Zusammenleben der Menschen und ein hilfsbereites, auf das Wohl anderer ausgerichtetes Verhalten.

Wenn wir annehmen, dass wir uns auf Social Media diesem Verhalten genauso hingeben, dann wäre der Umgang mit diesen Medien doch ausschließlich eine Bereicherung, oder? Menschen, denen ich früher beim grillen meine Urlaubsbilder gezeigt habe, sind nun schnell und unkompliziert erreichbar, ohne das sie durch die ganze Stadt, oder durch das halbe Land fahren müssen. Innerhalb kürzester Zeit erhalte ich Feedback in Form eines zustimmenden Kopfnickens (wir jungen Leute nennen das like) und ich bekomme die Anerkennung, die ich möchte. Moment, Anerkennung? Darum geht es? Ich denke ja. Anerkennung ist ein tief verwurzeltes, psychologisches Grundbedürfnis, dass für die menschliche Entwicklung, soziale Zugehörigkeit und mentale Stabilität essenziell ist. Wir alle streben in unterschiedlichen Ausprägungen danach und das ist gut so. Ich glaube, ich komme meinem Problem näher.

Abgesehen von einigen Doom-Scroll Sessions, nutze ich Instagram und neuerdings YouTube ausschließlich für meine Fotografie. Mein Ziel ist es in erster Linie, mit Menschen in einen echten Kontakt zu kommen. Aber dieses digitale “echt” hat zur Folge, dass mir ein Like nichts bedeutet, denn es ist für mich keine Anerkennung. Es ist ein fixer Doppelklick auf das Handydisplay. Hast du dich mal gefragt, wofür du eigentlich ein Like bekommst? Ist es, weil dein Beitrag inhaltlich schön ist, weil du ihn toll kuratiert hast, oder weil “man das eben so macht, wenn man sich gegenseitig folgt?” Die Motive mögen unterschiedlich sein, aber welches es auch ist, es zahlt nicht auf mein Grundbedürfnis-Konto ein. Und genau das ist mein Problem - gewesen. Ich dachte immer, dass ich ein Teil des Spiels sein muss. Ich dachte, dass mir eine Online-Interaktion die gleiche Zufriedenheit geben kann, wie damals Kevin beim grillen, der sagte, dass ich der beste Fotograf bin, den er kennt. Dem ist nicht so und heute habe ich es verstanden. Ich habe verstanden, dass ich dieser Welt anders begegnen möchte. Einer Welt, in der es vielen darum geht, möglichst viele Follower zu haben, belanglose “Wow” “Herz” “Toll” Interaktionen mit Fremden zu führen und eine aus meiner Sicht unechte Anerkennung zu bekommen.

Keine Sorge, ich zitiere hier nicht längst bekannte Studien, die von Dopamin und fehlender Anerkennung einiger Menschen im real life handeln. Aber hast du dich einmal gefragt, was dein “Wozu” ist? Wozu verwendest du Social Media? So schön, schillernd und aufregend es auch sein kann, beobachte ich immer wieder Menschen, die sich dauerhaft mit dem Telefon in der Hand darüber definieren, die sich fragen wieso die Likes ausbleiben und sich am Ende sogar selbst in Frage stellen, vor allem verglichen zu “den tollen anderen Nutzern” bei denen das Gras natürlich immer besser schmeckt.

Was ist also meine Lösung auf die oben gestellte Frage? Nun, sie klingt wahrscheinlich einfach und Pippi Langstrumpf hat sie längst so beschrieben: “Ich mach mir die Welt, so wie sie mir gefällt” Dieses Zitat steht für Freiheit, Selbstbestimmung und das Brechen von Konventionen. Ich möchte ein Teil dieser Welt sein - aber zu meinen Regeln und nicht der des Algorithmus, den ich bedienen “muss”. Ich fotografiere nicht mehr für Instagram, sondern für meine Wand, den Drucker, oder die nächste Grillparty. Für echte Interaktionen mit Gleichgesinnten und den Menschen, die wirkliches Interesse an mir haben. Und ich habe akzeptiert, dass unsere Welt nun mal so ist, wie sie ist. Ich kann nicht alle “retten”, aber mich selbst. Wenn du bis hier hin gelesen hast, dann spürst du am Ende meinen Frieden damit und vielleicht hast du ihn ja auch?

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„Kannst Du den Feind nicht besiegen, umarme ihn“